Heute mussten also die Haare ab. Ich hab ja äussert selten das Bedürfnis zum Friseur zu gehen, aber heute war es mal wieder soweit. Ich bin in einen Salon gegangen, den mir meine liebste Sabrina empfohlen hat, um mich schön machen zu lassen. Die hatten im Februar eröffnet und mussten dann gleich wieder schließen. Was den beiden Inhaberinnen aber offensichtlich nicht die Laune verdorben hat und so trällerten sie mir gleich ein fröhliches Mundschutz-Hallo entgegen. Ich trällerte zurück und ließ mich auf den Friseur-Stuhl plumpsen. Kurz danach, kam noch eine andere Kundin, die auch sehr fröhlich zu sein schien und sich gleich mal über den Vorbesitzer des Ladens ausgelassen hat, der scheinbar seit den 80er Jahren das gleiche Inventar im Laden hatte und die gleichen Bilder und sie deshalb da ja nie reingegangen wäre. Ich wollte dann nicht sagen, dass mein letzter Friseurbesuch mich in genau so einen Laden geführt hat. Und zwar hatte ich da meinen Haare-ab-Impuls, nach 1,5 Flaschen Wein, im Kroatien-Urlaub. Die nette Friseurin hat mir dann einen Schnitt verpasst der auch gut in die 80er Jahre gepasst hätte und hat sich selbst und mich gelobt mit den Worten "das ist ein ganz anderer Kopf". Ich mochte meinen alten Kopf eigentlich auch ganz gerne, aber das tat nichts mehr zur Sache. Bin mit meinem Haarhelm in die Ferienwohnung zurück gekehrt, wo Christian mich mit den Worten empfangen hat "du stellst unsere Beziehung schon ganz schön auf die Probe". Die andere Kundin hat dann gleich noch erzählt, dass sie ja so einen großen Kopf hätte. Was für ein Zufall, da geht man so selten zum Friseur und dann hat eine andere Kundin auch so nen großen Kopf. Sie fand aber garnicht so witzig, dass ich in ihr Gespräch mit eingestiegen bin, mit "ich hab auch so nen Gschwellschädel". Während beide Hairstylistinnen sich sehr amüsiert haben. Ich hab dann eben noch erzählt, dass ich auch immer ziemlich verzweifelte Maskenbildnerinnen habe, die meine vielen Haare samt fetten Kopf unter die Perücken stopfen müssen. Und prompt standen meine Augen schon wieder unter Wasser. Ich musste Gott sei dank auch ganz schön lachen und so konnte man die Tränen, zwischen frisch geschnittenem Pony und Mundschutz, auf mein Lachen zurück führen. Tatsache ist aber, dass ich einfach die Bühne so sehr vermisse und seit Lockdown so unfassbar nah am Wasser gebaut bin. Nichts desto trotz hat in diesem Fall, mein Friseurbesuch meine Wunde geheilt. Ich laufe seit heute Mittag wieder deutlich aufrechter durch München!Und ach mein liebes München, wie hast du toll demonstriert! Am meisten berührt mich daran, viele stehen jetzt wieder gemeinsam auf der Straße, die noch vor ein paar Wochen so uneins waren.

JUDITH SEIBERT
TANZ UND COMEDY
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