Das Ende ist nah! Also das Ende der arbeitsfreien Zeit, die garnicht so frei war. Nicht frei von Ängsten, nicht frei von Aufgaben, nicht frei von Zweifeln alles in allem überhaupt nicht frei! Und was hab ich persönlich gelernt? Das ich doch sehr an meiner Freiheit hänge. Ich weiß anderen geht es viel schlechter und Deutschland ist so herrlich und so toll. Die Weltmeister im Nicht-am-Corona-sterben. Da kann man sich doch mal auf die Schulter klopfen und weiterhin die kleine Sarah-Luisa-May mim SVU zur Schule fahren, danach das Antibiotika FertigSchnitzel und ne Cola auf n Tisch stellen, 3x im Jahr in Urlaub fliegen und sich mit 180kmh auf der Autobahn sicher fühlen.Die Gefahren lauern nämlich beim Sport, im Theater und vor allem in den Berührungen, im Spaß, im Lachen mit Leuten die nicht zum eigenen Hausstand gehören. Und währenddessen sterben immer noch 24 000 Menschen täglich am Hunger.Wenn die 12 Wochen wichtig waren um ein neues Bewusstsein zu schaffen, dann kack auf die 12 Wochen. Aber ist das so? Weiß jetzt wirklich jeder, was ihm/ihr wichtig ist und was er/sie braucht und schafft aus eigener Verantwortung soziale Gerechtigkeit, ein größeres Verständnis für Tierwohl, Umweltschutz und Menschenrechte, mehr Toleranz? Gibt ja Hoffnung, wenn man hört, dass 20000 Menschen in München auf der Straße waren gegen Rassismus. Mein liebes München, können wir uns nicht sonst noch mehr von unserer coolen Seite zeigen und uns ein bisschen vom schnöden Söder lossagen? Da geht doch noch was? Ja, man könnte sagen, ich stehe immer noch nicht aufs neue normal und ich bin mir sicher, wir müssen Krisen lernen anders zu bewältigen, weil es wird nicht die letzte gewesen sein. Aber wir und damit meine ich nicht die Deutschen, sondern die Menschheit kann so viel schaffen und sehr stark sein, aber wir werden einfach mit unserem Konsumverhalten in unserem sicheren Eigenheim implodieren, wenn wir nicht lernen mit unseren Ängsten umzugehen und nach wie vor Achtung vor der gepachteten Weisheit. Wir wissen das wir nix wissen!Das war es für mich erstmal. Es ist mein letzter Pandemie-Tagebucheintrag. Ihr habt mich gut durch die Krise gebracht wofür ich euch herzlichst Danke sage. Ich freue mich auf echte Begegnungen und hoffentlich ein baldiges "ganz neues Normal", mit umarmen, küssen, tanzen, singen, feiern! Sich einfach lieb haben und dabei keine Gefahr sehen. Ich bin Gott sei dank noch nicht so alt. Aber ich möchte nicht sozial vereinsamt sterben und ich möchte zu keinem Zeitpunkt, dass mein Leben wichtiger gesehen wird, als das Leben von jedem anderen Erdbewohner. Das ist mein Wunsch bis ich sterbe, an was auch immer!Gute Nacht und bis bald vielleicht dann mit einem Wochenbericht von nach der Pandemie.

JUDITH SEIBERT
TANZ UND COMEDY
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